Und dann kam Babb

ratiopharm ulm feiert mit dem 86:79 (45:42)-Erfolg gegen die EWE Baskets Oldenburg einen gelungenen Start ins easyCredit BBL Halbfinale.

Shortcut Nur drei Tage nach dem erfolgreichen Ende des Viertelfinal-Krimis gegen Ludwigsburg hat ratiopharm ulm das Halbfinale gegen die EWE Baskets Oldenburg erfolgreich eröffnet. Im Gegensatz zur Derby-Serie, als Ulm seinen Heimvorteil im ersten Spiel hergeben musste, behauptete sich der Hauptrunden-Erste in Spiel eins des Halbfinals gegen die Donnervögel. Einer der Hauptfaktoren für den 86:79-Sieg war im Statistikbogen beim Blick auf die Dreierquote zu finden: Verfügte ratiopharm ulm im Viertelfinale noch über eine der schlechteren Dreierquoten (36,8%), konnte das Team um Chris Babb (7/10 3er) und Braydon Hobbs (4/4) seinen Output von jenseits der 6,75 Meter gegen das bislang stärkste Dreier-Team der Playoffs (45,7%) auf fast 60 Prozent steigern. „Ich bin froh, dass wir heute eine starke Oldenburger Mannschaft geschlagen haben, das war ein wichtiger erster Schritt“, so Thorsten Leibenath. „Angesichts der besseren Dreier- im Vergleich zur Zweierquote gilt es für uns, in Korbnähe wieder besser zu treffen“, blickt der Ulmer Cheftrainer auf Spiel zwei voraus, das bereits am Dienstag (20.30 Uhr) in Oldenburg stattfindet.

Keystats Hatte Oldenburg in der ersten Halbzeit noch die Zone dominiert – und 22 Punkte an Brettnähe markiert –, machten die Ulmer in der Halbzeit zwei in der „Paint“ dicht und gestatteten den Gästen lediglich 6 Punkte in Brettnähe. Dass Oldenburg das Rebound-Duell gewann (33/36) spielte deshalb keine Rolle, weil ratiopharm ulm mit 16 verwandelten Dreiern (nur in Jena trafen die Ulmer in dieser Saison einen Distanzwurf mehr) bei einer Quote von 59 Prozent immer wieder die entscheidenden Nadelstiche aus der Distanz setzten. Kurios: Beide Teams trafen aus dem Dreierbereich (Oldenburg: 44%) besser als aus dem Zweipunkteland (38/43%).

Spotlight Mit 7/10 verwandelten Dreiern (26 Punkte) lieferte Chris Babb seine bisher beste Playoff-Performance von Downtown ab und verpasste seinen Saisonrekord (vs. Jena 8/12) nur um einen Treffer. „Wenn das Spiel auf der Kippe stand, kam Chris Babb“, zollte auch Oldenburgs Mladen Drijencic dem Scharfschützen Respekt. Den hatte Thorsten Leibenath auch vor den Leistungen von Taylor Braun (31:48 Minuten, 12 Pkt, 9 Reb) und Karsten Tadda (18:52 Min, 9 Pkt, 5 Reb), die das Energielevel konsequent hochhielten und in der Defensive alles auf dem Parkett ließen.

Play-by-Play

1. Viertel (26:29): Ein Duo bei beiden Mannschaften wusste den Halbfinal-Auftakt zu Beginn zu prägen. Während für die Hausherren die beiden Flügelspieler Chris Babb (7 Punkte) und Taylor Braun (5) von außen (3/3) für den 9:2-Raketenstart (3.) sorgten, waren die Oldenburger Big Men Maxime de Zeeuw und Brian Qvale mit ihre hochprozentigen Abschlüssen in Korbnähe (4/4) für den 12:10-Anschluss verantwortlich. Und als Massenat den ersten Dreier für die Gäste versenkte, lag Oldenburg erstmals in Front (12:13, 6.). Mit viel Treffsicherheit (50% / 69% FGs) konnten sich die EWE Baskets kurz vor Viertelende auf 23:29 absetzen. Doch die verbleibenden Sekunden genügten Chris Babb, um seinen bereits dritten Dreier (3/4) zu versenken.

2. Viertel (19:13): Und durch den Buzzer Beater schien das Momentum zurück auf Uuulmer Seite zu wechseln: Während die Verteidigung Oldenburg zu Fehlwürfen zwang (0/3), sorgten Karsten Tadda und Braydon Hobbs mit ihren Distanztreffern für einen viertelübergreifenden 11:0-Lauf zum 34:29 (13.). Erst die zweite Auszeit von Coach Drijencic binnen drei Minuten brachte die Gäste wieder in die Spur. Angeführt vom hochprozentig treffenden Brian Quvale (6/7 2er) konnte Oldenburg wieder in Führung gehen (38:40, 16.). Doch nach dem Per Günther im Fastbreak nur durch ein Unsportliches Foulgestoppt werden konnte, gehörte dem Captain der Schlusspunkt der ersten Hälfte: Erst versenkte Günther beide Freiwürfe, dann saß im dritten Anlauf auch sein Wurf von Downtown (45:42, 20.).

3. Viertel (24:23): Wenngleich ratiopharm ulm seinen Vorsprung auf 49:44 (23.) ausbauen konnte, gehörte das 3. Viertel erst einmal den Donnervögeln: Ein immer stärker werdender Rickey Paulding (13 Punkte, 2 Assists im 3. Viertel) leitete einen Oldenburger 7:0-Run (49:51, 24.) ein und war daraufhin auch an einem Dreierregen beteiligt (3/3): Zehn Distanztreffer prasselten während des 3. Viertels in der ratiopharm arena darnieder – unterbrochen wurde eine Serie von sechs Dreiern lediglich durch ein Dreipunktspiel von Taylor Braun (58:54, 26.). Den Konter auf den dritten Paulding-Dreier zum 63:63-Ausgleich (29.) hatten in den Schlusssekunden die beiden Topscorer von ratiopharm ulm parat. Denn nachdem sich auch Ray Morgan als sechster Ulmer unter die Scharfschützen gemischt hatte (66:63), genügten Chris Babb 1,6 Sekunden, um seinen Gegenspieler links liegen zu lassen und dann zum sechsten Mal von jenseits der 6,75 Meter einzunetzen (69:65).

4. Viertel (17:14): Den erneuten Buzzer-Beater-Schwung nahm ratiopharm ulm ins Schlussviertel mit: Ein viertelübergreifender 12:3-Lauf inklusive krachendem Fastbreak-Dunk von Taylor Braun brachte den Gastgebern die erste zweistellige Führung (78:68, 35.) ein. Zwar erhielten sich die EWE Baskets durch zwei Dreier noch einen Funken Hoffnung (78:74, 36.). Doch gegen die Ulmer Firepower war an diesem Abend kein Kraut gewachsen: Als Hobbs seinen Wurfnachmittag auf perfektem Niveau konservierte (4/4 3er) und Chris Babb seine Nummer sieben einnetzte, war dem Hauptrunden-Ersten der erfolgreiche Start ins Halbfinale 2:26 Minuten vor dem Ende (86:74) nicht mehr zu nehmen.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Mir hat die Intensität in der ersten Hälfte nicht gut genug gefallen, teilweise waren wir zu lethargisch und haben nicht schnell genug umgeschaltet. Dazu haben wir zu viele einfache Punkte gestattet, Oldenburg konnte bis zur Halbzeit 22 Punkte in der Zone erzielen und hatte am Ende nur 28. Das spricht dafür, dass wir in der zweiten Halbzeit deutlich besser in Korbnähe verteidigt haben, auch Brian Qvale hatten wir besser im Griff. Dazu haben wir unsererseits mit mehr Energie gespielt, was vor allem im Rebound-Bereich deutlich wurde. In dem Zusammenhang sollte man Taylor Braun und Karsten Tadda hervorheben, die wichtige Rebounds eingesammelt haben. Chris Babb hat über 37 Minuten unglaublich gespielt, er hat super verteidigt und offensiv tolle Entscheidungen getroffen, die auch noch hochprozentig belohnt wurden. Angesichts der besseren Dreier- im Vergleich zur Zweierquote gilt es für uns, in Korbnähe wieder besser zu treffen. Ich bin froh, dass wir heute eine starke Oldenburger Mannschaft geschlagen haben, das war ein wichtiger erster Schritt.“

Taylor Braun lieferte 12 Punkte, 9 Rebounds und unbändige Energie ab. Mladen Drijencic (Head Coach EWE Baskets Oldenburg): „Wir wussten von Anfang an, dass in den Playoffs und besonders im Halbfinale kein leichtes Spiel mehr geben wird. Da muss man alles auf dem Parkett lassen, um als Sieger vom Feld zu gehen. Und wir wussten, dass es auf kleine Details ankommen wird und haben viele Dinge richtig gemacht. Beispielsweise konnten wir Rubit gut kontrollieren, genauso wie den Rebound. Wir haben den Ball insbesondere in der zweiten Hälfte gut bewegt. In der einen oder anderen Defensivaktion können wir etwas cleverer und schneller spielen. Das extreme Plus war die Dreierquote des Heimteams. Wenn das Spiel auf der Kippe stand, kam Chris Babb und machte schwere Würfe.“

Good to know In Oldenburg wartet auf ratiopharm ulm das fünfte Playoff-Spiel binnen elf Tagen - schon am Montagmittag bricht das Team von Head Coach Thorsten Leibenath in Richtung Norden auf. „Das ist eine enorm hohe Belastung“, sagt Coach Leibenath, der in Sachen Energie ein Sonderlob für Taylor Braun parat hat: „Taylor ist im positiven Sinne stur und beißt auf die Zähne, um der Mannschaft bestmöglich zu helfen. Er geht immer dahin, wo es weh tut.“ Hatte sich der Forward zuletzt noch mit Rückenproblemen herumgequält, überzeugte er gegen Oldenburg mit seinem hohen Energielevel und einem persönlichen Rebound-Rekord (9).

Fotos Florian Achberger, Alexander Fischer

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