Hypothek aus erster Hälfte zu hoch

Trotz starker Aufholjagd unterliegt ratiopharm ulm den GIESSEN 46ers um einen John Bryant in MVP-Form mit 90:95 (38:55) / Ulmer U18 holt gegen Real Madrid ersten ANGT-Sieg

Shortcut Nach drei Siegen in Serie muss ratiopharm ulm gegen die GIESSEN 46ers eine schmerzhafte 90:95-Niederlage hinnehmen. Dabei war die erste Halbzeit vorentscheidend, in der sich die hessischen Gäste um Topscorer John Bryant (33 Punkte) eine 17 Punkte-Führung erspielten. Wenngleich sich die Hausherren in der ausverkauften ratiopharm arena in der zweiten Hälfte bis auf 3 Zähler herankämpften, zeigte sich Thorsten Leibenath nach dem Spiel verärgert. „Wenn es in der zweiten Halbzeit geht, gibt es wenig Gründe, warum es in der ersten Halbzeit nicht gehen sollte“, so der Head Coach, der bei seiner Mannschaft in den ersten 20 Minuten „Kampfgeist und Einsatzwillen“ vermisste. ratiopharm ulm, das verletzungs- bzw. krankheitsbedingt auf vier Akteure (Per Günther, Joschka Ferner, Jerrelle Benimon, Luke Harangody) verzichten musste, rutscht damit vorerst auf den siebten Tabellenplatz, während Gießen sich auf Platz elf verbessert.

Keystats Trotz insgesamt 17 Versuchen weniger (75 – 58) versenkten die treffsicheren 46ers nur zwei Würfe weniger aus dem Feld, legten damit aber die deutlich bessere Field Goal-Quote auf das Parkett (43% - 52%) und standen darüber hinaus 29 Mal an der Freiwurflinie, von wo Gießen ebenso treffsicherer agierte (86%) als die Ulmer (70%).

Spotlight Für gleich zehn der 29 Gießener Freiwürfe war John Bryant verantwortlich, der die Zonen in der ratiopharm arena wie zu alten Zeiten im Griff hatte. Der zweimalige Ulmer MVP (2012, 2013) schrammte mit 33 Punkten, 13 Rebounds und einer Effektivität von 46 nur knapp an seinem soeben aufgestellten Bestwert vorbei, der erst gestern von der easyCredit BBL von 50 auf 48 korrigiert wurde. Ein packendes Duell mit „Big John“ lieferte sich Isaac Fotu (24 Punkte, 9 Rebounds), der die Ulmer Aufholjagd in der zweiten Hälfte mit 16 Punkten im 3. Viertel initiierte.

Play-by-Play
1. Viertel (21:29): Nach einem Start nach Maß (5:0) für die Gastgeber durch Da’Sean Butler und Trey Lewis kamen die Gäste besser ins Spiel. Zu verdanken hatten die 46ers dies einmal mehr John Bryant, der einen 2:16-Lauf der Gäste eröffnete und per Dreier die erste Führung für Gießen (11:14, 5.) markierte. Die im ersten Viertel aus allen Lagen treffenden und deutlich besseren Gäste (69% FG) reihten in der Folge drei erfolgreiche Distanzwürfe aneinander und konnten ihre Führung so bis auf 11:23 (7.) ausbauen; auch weil Gießen deutlich aggressiver an den Brettern zupackte (3:10 Rebounds). Hatte Da’Sean Butler das Viertel bereits per Dreier eröffnet, war es der 30-Jährige, der der ratiopharm arena mit seinem Buzzer Beater von Downtown neue Hoffnung schenkte (21:29).

2. Viertel (17:26): Und der Routinier blieb zu Beginn des 2. Viertels bei 100 Prozent Trefferquote: Mit seinem dritten Dreier brachte Butler ratiopharm ulm auf 24:30 (12.) heran. Doch ein Gießener 0:7-Zwischenspurt ließ den Ulmer Rückstand wieder in den zweistelligen Bereich wachsen (26:39, 16.). Zwar sorgten zwei Distanztreffer von Trey Lewis sowie ein Vierpunktspiel von Ismet Akpinar für zwischenzeitliche Lichtblicke (33:40, 17.). Doch gegen das weiterhin treffsichere (65% FG) Team um John Bryant, der kurz vor der Halbzeit bereits sein Double-Double vervollständigte, agierte ratiopharm ulm insbesondere im Rebounding mit zu wenig Durchschlagskraft. So konnte Gießen sich zehn Abpraller mehr (11:21) und eine komfortable 38:55-Halbzeitführung sichern.

3. Viertel (29:18): Dass Bryant schon zur Halbzeit zweistellig gepunktet (17) und gereboundet (10) hatte, schien insbesondere seinen direkten Gegenspieler zu stören. Denn was im 3. Viertel folgte, war eine Isaac Fotu-Show vom Allerfeinsten. Zu seinen 16 Zählern zählte unter anderem ein Dreipunktspiel, das nicht nur für den 43:55-Anschluss sorgte, sondern „Big John“ auch sein drittes Foul anhängte. Und als der Neuseeländer wenig später auch noch von Downtown traf, war Ulm „back in business“ (50:58, 24.).  Das sahen auch alle anderen Uuulmer so, die Fotus Energie aufsogen: Butler per viertem Dreier, Akpinar mit Punkten trotz Foul und David Krämer per atemberaubendem Fastbreak-Dunk zum 63:66 (27.), der die ratiopharm arena Kopf stehen ließ. Dass Gießen seine Führung dann verteidigte (67:73), hatten sie wieder Bryant zu verdanken, der sowohl Butler als auch Tim Ohlbrecht das vierte Foul anhängen konnte und von der Freiwurflinie perfekt (9/9) blieb

4. Viertel (22:22): Und noch war der zweimalige Ulmer MVP nicht fertig: Nach 4 Punkten von Big Man-Kollege Agva legte Bryant per Vierpunktspiel nach (70:81, 32.), das zugleich Tim Ohlbrecht zum Zuschauen verbannte. Doch die Gastgeber ließen die Köpfe nicht hängen: Mit ProA-Spielmacher Marcell Pongo, der Akpinar wichtige Verschnaufpausen verschaffte, kämpfte sich ratiopharm ulm Punkt um Punkt heran und saß Gießen nach einem weiteren Butler-Dreier und einem Dreipunktspiel von Ryan Thompson wieder im Nacken (82:85, 36.). Und die Ulmer Chancen schienen weiter zu steigen, als wenig später auch John Bryant sein fünftes Foul hinnehmen musste. Doch seine Teamkollegen verteidigten den knappen Vorsprung eisern und das – begünstigt durch den erst vierten Ulmer Ballverlust in diesem Spiel – auch bis zum Ende.


Quotes
Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Glückwunsch an Gießen zu einem völlig verdienten Sieg. Wir zeigen phasenweise, dass wir Basketball spielen können. Dann lassen wir aber Tugenden wie Teamplay, Kampfgeist und Vertrauen vermissen.  In diesen Phasen sind wir keine gute Mannschaft – das konnte man in der ersten Halbzeit sehen. An der zweiten Hälfte habe ich nicht allzu viel auszusetzen und genau das ist es, was mich ärgert. Wenn es in der zweiten Halbzeit geht, gibt es wenig Gründe, warum es in der ersten Halbzeit nicht gehen sollte.“

Ingo Freyer (Head Coach GIESSEN 46ers): „Wir wussten, dass wir hier in Ulm eine Chance haben, obwohl Ulm sehr heimstark ist. Aber wir haben taktisch eine Menge richtig gemacht in der ersten Halbzeit, das passiert nicht alle Tage. Dass das so nicht weiter geht und wir mit 30 Punkten gewinnen, ist klar. Der Punkt, warum wir dennoch gewonnen haben ist, dass wir zu Beginn der zweiten Halbzeit gefühlt nicht gut gespielt, aber immer noch mit zehn, elf Punkten geführt haben. Wir waren da und haben das Ding am Ende noch nach Hause geschaukelt und das obwohl die Halle aufgeheizt war. Wir konnten uns selber und der Liga zeigen, dass mit uns zu rechnen ist.“

Good to know „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie.“ So lautete wohl das Motto von ratiopharm ulm vor dem dritten und letzten Gruppenspiel beim Adidas Next Generation Tournaments in München gegen Real Madrid. Der ANGT-Champion von 2015 hatte seit über vier Jahren keine Partie mehr während einer Qualifikationsrunde verloren und ließ sich von den Uuulmern doch überrumpeln: Nach zuvor deutlichen Niederlagen gegen Darussafaka (51:75) und Berlin (88:66) schaffte die Mannschaft um Danny Jansson und Chris Ensminger einen 73:64 (41:35)-Sieg. „Nachdem wir in den letzten beiden Spielen so viele Höhen und Tiefen erlebt haben, freuen wir uns natürlich, gegen Real Madrid gewonnen zu haben. Wir nehmen aus diesem Spiel sehr viel für die Zukunft mit“, so Jansson. Trotz des Erfolgs belegen die Ulmer, die in Zach Ensminger (15 Punkte), Timo Lanmüller (13) und Mate Fazekas (11) ihre Topscorer hatten, den vierten Rang in ihrer Gruppe und spielen morgen um 10 Uhr gegen Sevilla um Platz sieben.

Fotos: Florian Achberger, Matthias Stickel

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