David Krämer: Furchtlos, frech, fanatisch

In der Slowakei geboren, in Österreich zum Talent gereift, in Ulm in die (zweite) Bundesliga und in die deutsche Nationalmannschaft geackert: David Krämer ist in seinem vierten Jahr in Ulm angekommen und verdient sich in der Bundesliga immer mehr Spielzeit, während er die OrangeAcademy als bester deutscher ProA-Scorer anführt.

Crunchtime – die Zeit, die Basketball zu dem macht, was wir lieben. Und die Zeit, die die guten von den großartigen Basketballern trennt. Wenn jeder Punkt, jeder Wurf und jedes Dribbling über Sieg und Niederlage entscheiden können, dann setzt ein Trainer in der Regel auf seine Routiniers. Doch in Erfurt hat Thorsten Leibenath ein anderes Gefühl. ratiopharm ulm spielt in der thüringischen Hauptstadt Ende Januar kein gutes Spiel und lässt die Rockets zu Beginn des Schlussviertels auf elf Zähler enteilen. Trotzdem schenkt der Cheftrainer der Gäste seinem jüngsten Schützling das Vertrauen. Es ist die erste Crunchtime, die David Krämer auf dem Bundesliga-Parkett verbringt. „Ich habe bei jeder ertönenden Sirene meine Auswechslung kommen sehen“, bekennt Krämer, der an diesem Tag keinen seiner Würfe trifft. Wenngleich der Statistikbogen nach dem Spiel null Zähler für den Youngster aufweist, ist er einer von fünf Ulmern, die das Spiel im vierten Viertel noch herumreißen. „Das war eine ganz wichtige Message für David“, betont Leibenath. „Man schadet der Mannschaft nicht, wenn man seine Würfe nicht trifft, sondern wenn man falsche Entscheidungen trifft. In Erfurt hatte ich das Gefühl, dass er die richtigen Entscheidungen getroffen hat“, sagt der Head Coach, der Krämer in dieser Saison vermehrt Chancen in seinem Team einräumt. „David ist kein Rookie mehr und hat es sich mit harter Arbeit verdient, Spielzeit zu bekommen. Für ihn geht es nicht mehr nur darum, Fehler zu vermeiden, sondern auch darum, Akzente zu setzen. Und das schafft er mit seiner furchtlosen Mentalität immer wieder“, so Leibenath.

Der Uuulmer des Monats im Abo

Doch David Krämer weiß, dass es nicht zwingend die offensiven Akzente sind, die ihm in seinem vierten Uuulmer Jahr mehr Spielzeit bescheren: „Ich bekomme das Vertrauen, wenn ich mir in der Defense den Allerwertesten aufreiße und Energie reinbringe.“ Das imponiert auch den Fans. Nicht nur wählen sie Krämer und seine Poster-Dunks beim Facebook-Voting dreimal in Folge zum Uuulmer des Monats. Der Heckenschütze, langjähriger Trommler in der OrangeZone, fordert in seinem Fanblog: „Do the Krämer! Danke David Krämer, dass du dich Spieltag für Spieltag um die positive Energie bemühst und mustergültig mit Biss, Leistung, aber vor allem Freude am Spiel agierst.“  Dass er mit seiner energetischen Spielweise vermehrt zu BBL-Einsätzen kommt, realisiert Krämer mithilfe seiner veränderten Sichtweise in der ProA. „Wenn uns älteren Spielern manchmal die Luft ausgeht, ist es toll zu sehen, wie 16-jährige Jungs wie Timo Lanmüller oder Jason George der ganzen Mannschaft mit ihrer guten Defense wieder Energie geben“, erklärt Krämer als einer der „Routiniers“ der OrangeAcademy – eine ungewohnte Rolle für einen, der immer davon profitiert hat, mit den Großen spielen zu dürfen.

Lernen von den Youngsters

Als kleinerer zweier Brüder wächst David im österreichischen Oberwart auf. Kurz nach seiner Geburt im slowakischen Myjava, der Heimat von Mutter Beate, siedelt die Familie nach Österreich über, wo Vater Roman als Basketball-Profi anheuert. Wenngleich sich die Eltern nach einigen Jahren trennen und die beiden Söhne bei der Mama aufwachsen, dauert es nicht lange, bis das Basketball-Gen bei den beiden Brüdern zum Vorschein kommt. Schon mit fünf Jahren ist es um David geschehen. Und er entwickelt frühe Ambitionen: „Als ich mich in den Sport verliebt hatte, war klar, dass ich irgendwann Profi werden möchte.“ Und diesem Ziel ordnen die beiden Brüder, die in der Alpenrepublik weitestgehend auf sich alleine gestellt sind, alles unter. „Wir hatten uns und wir hatten den Basketball“, erinnert sich der fünf Jahre ältere Filip, der seinen kleinen Bruder täglich zum Eins gegen Eins auf dem hauseigenen Parkplatz herausfordert. „Manchmal haben wir mitten in der Nacht sogar Leuchten aufgestellt, um weiterspielen zu können“, so Filip, der heute als 2,02 Meter großer Big Man für den österreichischen Meister Kapfenberg und Österreichs Nationalteam spielt. Gegen den körperlich stärkeren Bruder geht David meist als Verlierer vom Platz und „hat dabei auch die eine oder andere Träne verdrückt“, verrät Filip Krämer.

Die ganze Story über David Krämer sowie viele weitere spannende Themen rund um ratiopharm ulm und BBU '01 - z.B. das letzte TOP FOUR seiner Art, ein Rückblick auf das ANGT sowie ein Doppel-Interview mit den Ex-Bundesliga-Coaches Chris Ensminger und Igor Perovic - gibt es ab Montag, 12. März online und in der Print-Ausgabe, die überall in Ulm & Neu-Ulm erhältlich ist.

Text: Julia Günter
Fotos: Florian Achberger, Harry Langer, Marcel Merli, FIBA, BBU ‘01
Design: HALMA

>

Diese Website verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung stimmen Sie dem Einsatz von Cookies zu. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung Datenschutzerklärung