Kollektiver Einbruch kostet Siegchance

ratiopharm ulm unterliegt Meister Brose Bamberg nach völlig verkorksten 20 Minuten deutlich mit 67:90 (31:44).

Shortcut Das erste Viertel hatte sich so gut angelassen – ratiopharm ulm war mit der richtigen Einstellung, mit Aggressivität und einer 23:20-Führung nach zehn Minuten gestartet. Was dann folgte, war ein Kollektivversagen der Gastgeber, die sich von einem Bamberger 0:20-Lauf und über sieben punktlosen Minuten nicht mehr erholen konnten. „Uns fehlt im Augenblick die mentale Widerstandskraft, um uns durch Schwächephasen durchzukämpfen“, bilanzierte Head Coach Thorsten Leibenath, bei dessen Team sich im zweiten Viertel die Fehler – offensiv wie defensiv – anhäuften. Und auch nach der Halbzeitpause (31:44) war die Schwächeperiode noch nicht beendet, die in der 28. Minute in einem 31 Punkte-Rückstand gipfelte. Erst als die Vorentscheidung bereits gefallen war, sorgten die beiden Big Men Isaac Fotu (15 Punkte) und Jerrelle Benimon (14) , die wie Neuzugang Katin Reinhardt (12) zweistellig scoren konnten, noch für etwas Ergebniskosmetik.

Keystats Wie rund die Bamberger Offensive an diesem Abend lief, lässt sich exemplarisch an zwei Zahlen ablesen: An den 21 Assists der Gäste (Ulm 13) und an der schwindelerregend hohen Trefferquote aus dem Zweipunktbereich (76% - Ulm 50%). Zusätzlich passten die Franken deutlich besser auf den Ball auf (7 - 14 Turnovers) und waren auch das aggressivere Team (7 - 4 Steals). Die bemerkenswerteste Ulmer Statistik: 11 Offensivrebounds, ein Wert, der in dieser Saison noch nicht häufig erreicht wurde.

Spotlight Mit 14 Punkten, 6 Rebounds und 5 Assists verdiente sich Jerrelle Benimon als einziger Uuulmer ein Lob seines Coaches. Einen offensiv soliden Einstand feierte auch Katin Reinhardt, der in seinem ersten Spiel für ratiopharm ulm auf zwölf Punkte (4/8 Dreier) kam. Mann des Spiels war mit Augustine Rubit indes ein Ex-Ulmer, der an alter Wirkungsstätte auf 18 Punkte und vier Rebounds kam. 

Play-by-Play

1. Viertel (23:20): Für Katin Reinhardt waren es gleich mehrere Premieren: Der erste Bundesliga-Einsatz, die erste Berufung in die Starting Five und wenig später sogleich der erste Erfolg von Downtown: Der Shooting Guard erwarf die 6:5-Führung für ratiopharm ulm (3.), das danach aber einen 0:8-Lauf der Gäste – inklusive 6 Punkten von Leon Radosevic – verkraften musste. Für die Antwort war dann der Kapitän zuständig: Sein Dreipunktspiel sorgte für den emotionalen Push, den die Uuulmer gebraucht hatten (9:13, 5.). Dreier von Reinhardt und Günther sorgten dann für den Anschluss (17:18, 8.), den Jerrelle Benimon mit seinem klugen Assist eingeleitet hatte. Doch das Benimonster überzeugte auch als Scorer und münzte zwei Offensivrebounds in vier Punkte zur 21:20-Führung um, zu der Ryan Thompson vor der Viertelpause noch zwei Freiwürfe hinzufügte (23:20).

2. Viertel (8:24): Doch das getankte Selbstvertrauen und der Spielfluss der Ulmer waren im zweiten Viertel schnell dahin. Während Bamberg – und insbesondere Augustine Rubit (10 Punkte) – nun immer besser in seinen Rhythmus fand, war der Korb für ratiopharm ulm (6 Ballverluste) über sieben Minuten lang wie vernagelt. Das Resultat war ein 0:20-Lauf der Franken, den Jerrelle Benimon erst 2:22 Minuten vor der Halbzeit unterbrechen konnte. Die ersten Punkte von Luke Harangody nach dessen elfwöchiger Verletzungspause sowie vier Thompson-Zähler konnten den Rückstand zur Halbzeit auf 31:44 reduzieren.

3. Viertel (15:31): Doch wie im 2. Viertel entpuppten sich die Anfangsminuten zum Ulmer Albtraum: In der Offensive zwang Brose Bamberg die Gastgeber in schwere Würfe, während der amtierende deutsche Meister im Angriff meist nur per Foul gestoppt werden konnte und an der Linie sicher verwandelte (12/14). Wieder resultierte die Bamberger Drangphase in einem 0:15-Lauf, den Da’Sean Butler nach knapp fünf Minuten stoppen konnte (33:59, 25.). Und erst als der Rückstand bereits zeitweise die 30 Punkte-Marke (35:65) überquert hatte, fand ratiopharm ulm wieder besser in sein Offensivspiel und fand in Reinhardt und Krämer erneut zwei erfolgreiche Dreierschützen. Die Vorentscheidung war angesichts des 46:75-Rückstands aber bereits gefallen.

4. Viertel (21:15): Und Ulms Neuzugang legte gleich zu Viertelbeginn mit seinem vierten erfolgreichen Dreipunktewurf nach. Doch die Garbage Time war bereits angebrochen und den Gästen war anzumerken, dass sie nicht mehr mit der letzten Konsequenz zu Werke gingen. Gerade für die Ulmer Big Man eine gute Chance, um den Rückstand noch etwas zu minimieren: Dank sechs Zählern von Jerrelle Benimon sowie zwölf von Isaac Fotu entschied ratiopharm ulm das unbedeutende letzte Quarter für sich, musste sich aber ob der 67:90-Niederlage mit geknickten Köpfen von den Zuschauern verabschieden.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir sind mit der richtigen Einstellung ins erste Viertel gestartet, dann haben wir einige Fehler gemacht und sind kollektiv eingebrochen. Und zwar nicht nur für ein oder zwei Possessions, sondern für 20 Minuten. Uns fehlt im Augenblick die mentale Widerstandskraft, um uns durch Schwächephasen durchzukämpfen. Ein 20:0-Lauf ist nicht akzeptabel. Nur Jerrelle Benimon ist mit dem richtigen Fokus ins Spiel gegangen, das sieht man auch an seinen Statistiken. Aber als Kollektiv haben wir 20 Minuten lange versagt.“

Luca Banchi (Head Coach Brose Bamberg): „Wir sind das Spiel richtig angegangen, und das obwohl wir vor ein paar Stunden erst ein Euroleague-Spiel bestritten haben. Wir waren sehr fokussiert und haben mental, physisch und auch technisch überzeugt. Wir haben im Angriff den Ball gut verteilt und defensiv haben wir uns erfolgreich gegen die Ulmer Athletik gewehrt. Ich möchte meinen Spieler und meinen Assistant Coaches danken, die mir geholfen haben, in so einer schwierigen Situation in Bamberg anzukommen. Alle Leute in Bamberg haben die richtige Einstellung und den starken Willen, Spiele zu gewinnen.“

Good to know Besser als die Bundesliga-Profis machte es am Wochenende das Nachwuchsprogramm von BBU ’01: Angeführt von einem überragenden David Krämer (38 Punkte) beendete die OrangeAcademy am Samstag ihre ProA-Negativserie mit einem 82:88-Auswärtssieg in Kirchheim und hält damit die Chance auf den Klassenerhalt am Leben. Am Sonntag konnte Danny Janssons NBBL-Team nachlegen: Per 53:83-Erfolg bei der BG Karlsruhe beendete ratiopharm ulm die U19-Hauptrunde überzeugend und startet damit zum dritten Mal in Serie von Platz eins in die Playoffs. Darin untermauerte die U16 von ratiopharm ulm ihre Ambitionen: In Köln setzten sich die Uuulmer mit 57:89 durch und stehen damit bereits im JBBL-Achtelfinale, während BBU Allgäu/Memmingen in den JBBL-Playdowns mit einem 74:65 über die Junior Baskets Rhein-Neckar Spiel drei erzwang.

Fotos Florian Achberger

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